Bild: Gordon Johnson, Pixabay

Meine Damen und Frauen,

Jetzt spreche ich euch endlich einmal an. Nicht dass mir bisher der Mut dafür gefehlt hätte. Das heißt, eigentlich doch.


Bisher führte ich ja, wie alle Männer seit Jahrtausenden, im Grunde nur Selbstgespräche. Wir haben doch tatsächlich geglaubt, ihr wärt mit angesprochen, wenn wir „Doktor“, „Bäcker“ oder „Massenmörder“ gesagt haben.

Jetzt erfahren wir: Nein! Wart ihr gar nicht. Es hat also seit Menschengedenken kein Mann mit oder über euch geredet. Kein Wunder, wenn ihr umso mehr untereinander reden musstet, um das auszugleichen.

Wir wissen also jetzt: man/frau muss Frauen direkt ansprechen, damit sie mit gemeint sind. Aber gilt das wirklich immer?

Was ist dann zum Beispiel mit dem Satz „All men are created equal“? Auf dem beruht der Gleichheitsgrundsatz in der amerikanischen Verfassung. Und auf die gehen praktisch alle westlichen Verfassungen zurück. Auch unser Grundgesetz.

Ist „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ am Ende nur ein Übersetzungsfehler? Sind nur Männer gleichberechtigt? Und Frauen weniger? Oder mehr?

Im Prinzip gilt:

Die weibliche Form ist ebenso zu berücksichtigen wie die männliche. Das gilt dann natürlich auch für akademische Abschlüsse. An der Freien Universität Niederzuffenhausen läuft dazu schon ein Modellprojekt – mit großem Erfolg!

In den naturwissenschaftlichen Fächern schreiben sich endlich mehr Frauen ein, seit sie dort zur „Bachelorette of Science“ werden können. Frauen, die sich mit einem Abschluss als „Mistress of Arts“ bewerben, werden viel öfter zu Gesprächen eingeladen. Wenn auch oft erst nach Feierabend.

Aber:


Es gibt auch Frauen, die sich gegen diesen Trend stemmen. Die CDU-Abgeordnete Jana Schimke zum Beispiel will die Gendersprache bei ARD und ZDF abschaffen – und ARD und ZDF gleich mit.

Frau Schimke spricht für die „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“ der CDU, die sich gern MIT abkürzt. „MitU“ wäre richtiger, klingt aber wohl zu sehr nach „metoo“.

Schimke ist ihre stellvertretende Vorsitzende und fordert „einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohne Doppelstrukturen, Gendersprache und tendenziöse Berichterstattung“.

Die Doppelstrukturen hat übrigens Konrad Adenauer selbst geschaffen, der Übervater der CDU. Er wollte einen zweiten Fernsehsender, weil ihm die ARD zu tendenziös, sprich zu kritisch, war.
Also:

Adenauer (CDU) für zwei Sender, weil sonst tendenziös.
Schimke (CDU) gegen zwei Sender, weil tendenziös.

Was „tendenziös“ ist, entscheidet die CDU eben gern selbst, wie´s grade passt. Und wie unabhängig kann ein Sender sein, wenn die Politik ihm schon im Voraus Vorschriften über die Sprache macht, die er verwenden soll?

Bild: Gerhard Altmann, Pixabay


(Wie untendenziös Privatsender wie PRO SIEBEN SAT1 sind, kann man sich denken, wenn man ihre Entstehung zu Zeiten von Leo Kirch, Duzfreund von Kohl, Strauß und Gauweiler, miterlebt hat.)

Am Ende zählt Deutsch zum Glück zu den lebendigen Sprachen, die durch den täglichen Gebrauch geformt werden. Da hilft kein vorschreiben, sondern nur abwarten und dem Volk aufs Maul schauen.


2 Kommentare

Vom wollen und können : Die Blog-Partei % Die Blog-Partei · 3. August 2021 um 19:40

[…] Politik eine noble Regel. Allemal nobler als „America first“. Darum wollen viele Parteien mehr Frauen in Führungspositionen. Manchmal auch mehr, als sie aufstellen können.So haben die Grünen in ihre […]

Bei Grünens zu Hause : Die Blog-Partei · 30. Mai 2021 um 16:56

[…] Aber aus dem Westen. Wie nennt man das im Völkerrecht? Freiwillige Unterwerfung?A: Das nennt man Emanzipation. Gleichstellung. Und ich bin eben gleicher als du. Das wäre also geklärt. Gleich ist […]

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