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Nach der Wahl ist klar: Deutschland bekommt Drillinge. Eine Drei-Parteien-Koalition. Hatten wir ja eigentlich vorher auch, nur war die eine Partei die CSU. Also eher zwei Parteien und eine Trachtengruppe.

Statt dessen ist die FDP wieder im Spiel. Immer wenn der Wähler so einen Murks zusammen gewählt hat, was ums Verrecken keine Mehrheit ergibt, dann ist wieder die FDP gefragt. Man sagt ja auch, sie wäre das „Zünglein an der Waage“. Nur dass dieses Mal die Grünen noch dazu kommen. Die Waage hat damit zwei Zungen. Sie ist doppelzüngig. Mindestens eine der Parteien spricht also mit gespaltener Zunge.

Das wäre an sich nicht schlimm und in der Politik nichts besonderes, wenn die beiden Zungen wenigstens das Gleiche sagten. Aber von wegen. Beide marschieren voran, aber in entgegengesetzter Richtung. Und da zeigt sich, was Erfahrung ausmacht.

Erfahrene Zünglein

Die FDP war schon Dutzende Male das Zünglein an der Waage. Sie weiß, worauf es am Ende ankommt. Und als jetzt bei der Sondierung Rote und Grüne ihre Wunschzettel vorlasen, nickte die FDP nur gütig zu allem und sagte „Ja, aber ohne neue Steuern.“

Mindestlohn 12 Euro? Ja, aber ohne neue Steuern.
Ein Sofortprogramm für erneuerbare Energie? Ja, aber ohne neue Steuern.
Freibier für alle? Ja, aber ohne neue Steuern.

Der letzte Punkt ist dann irgendwie doch nicht durchgegangen. Aber SPD und Grüne sahen sich am Ziel aller Wünsche. In ihrer Begeisterung dachte keiner daran, dass Veränderung Geld kostet. Große Veränderung kostet sogar viel Geld. Ihnen fehlte eben die Erfahrung. Olaf Scholz war Finanzminister in einer Hochkonjunktur. Da purzelten die Millionen nur so ins Staatssäckel. Nun glaubt er, das müsste immer so sein.

Jetzt vereinbarten die Ampel-Männchen (und Weibchen), nicht nur keine neuen, sondern auch keine höheren Steuern zu erheben. Auch die Schuldenbremse bleibt. Andere Möglichkeiten, sich zu finanzieren, hat ein Staat aber nicht.

Deswegen muss Christian Lindner einfach Finanzminister werden. Das ist seine gerechte Strafe. Es wäre blanker Hohn, wenn ein Finanzminister Habeck in ein paar Jahren seiner Partei erklären müsste, dass zur Rettung des Planeten leider das nötige Kleingeld fehlt.


An Größe verloren, nicht mit

Während also Grüne und FDP um Olaf Scholz herum züngeln, hat die Union drastisch an Gewicht verloren. Vom Schwergewichts-Champion zum ausgenockten Fliegengewicht in drei Monaten. Armin Laschet wird vielleicht nicht mehr Kanzler, für eine Show auf SAT1 reicht es aber allemal: The biggest loser!

Warum auch nicht? An seiner Stelle würde ich mir längst überlegen, mich beruflich zu verändern. Ausgerechnet Osnabrück war darin der Vorreiter: Da hat der CDU-Oberbürgermeister seinen Sohn als Bachelor bei RTL auftreten lassen. Und war sogar selbst ein paar Mal in der Show zu sehen. Komischerweise hat seine Partei ihn danach nicht wieder aufgestellt.

Dabei verdanken wir genau dieser Partei das Privatfernsehen, wie es heute ist. Da wäre es nur konsequent, die gesamte Politik als Fernsehshow zu präsentieren:

Der Wahlkampf lief noch unter dem Motto „Kaum zu glauben“, die Wahl dagegen als „Das große Deutschland-Quiz“.
Sondierungen zwischen Grünen und FDP sind „Die Gegenteilshow“, zusammen mit der SPD wird daraus „Klein gegen Groß“.
Während Baerbock und Habeck noch in „Paar Wars“ verstrickt sind, verläuft die Neuaufstellung der CDU nach dem Motto „Hart aber (un-)fair“.

Wenn Sie jetzt fragen, wie dabei je eine vernünftige Politik heraus kommen soll:

Wer weiß denn sowas?!



1 Kommentar

Rosalie · 19. Oktober 2021 um 0:11

Wenn die Koalitionsbildubg wenigstens so viel Tempo hätte wie die erwähnten Soaps 🙄

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