Bild: Louise Stoehr, Pixabay

Liebe Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,

du verbreitest in deiner Ausgabe vom 5.9.2021 unter „Die Fahndung läuft“ einen Aufruf deutscher und schweitzer Stellen, die Bürger mögen „verdächtige Kreaturen“ umgehend den Behörden melden.

Das will ich gern tun. Nur leider habe ich keine Japankäfer (um die geht es) in der Familie oder Nachbarschaft. Und nur dann hätte ich, wie du, FASZ, drei Seiten weiter erklärst, einen Grund, die Käfer anzuzeigen. Sicher fehlt es mir nicht an „verhassten Nachbarn, beneideten Schwagern und mobilen Geliebten von ehedem“, aber keiner von ihnen verfügt über einen „goldgrün schimmernden Halsschild und braune Deckflügel“.

Verwandtschaft mit braunen Deckflügeln?

Da gibt es nur eins: Ich brauche eine Belohnung. Nur dann „kann die Meldung auch sozial fern stehende treffen“. Und die Belohnung sollte hoch sein, denn die Not ist groß: Keine natürlichen Feinde, hohes Vermehrungspotential, angepasst ans Klima. Das lässt böses ahnen.

Also heißt es jetzt, Einwanderung konsequent verhindern! Wir sind schließlich nicht in Italien. „Seit Jahren werden dortige Behörden wegen ihres laxen Umgangs kritisiert.“ Kennt man ja.

Und dann? „Einmal im Mittelmeerraum etabliert, ist es für Schädlinge zu Ländern nördlich der Alpen nicht mehr weit.“ Deshalb: „Wir wollen verhindern, dass die Tiere sich hier ansiedeln.“ Wir sind schließlich kein Einwanderungsland für ausländische Schmarotzer. Und was in der Natur gilt, gilt das nicht auch für uns Menschen? Die Parallelen scheinen unübersehbar.

Nun haben die wenigsten von uns syrische Nachbarn oder afghanische Verwandte. Also Kopfgeld auf illegale Flüchtlinge?

Zu kurz gedacht. Denn in dem Artikel über das Melden und Anzeigen ging es nicht um Menschen-, sondern um Geldströme. Und was für Würmer, Käfer, Larven gilt, gilt auf jeden Fall für Kröten, Mäuse, Piepen! Auch die kommen oft heimlich zu uns und auch sie erfreuen sich am „laxen Umgang“ der Behörden, nicht nur in Italien.

Deshalb sollen Bürger in Baden-Württemberg verdächtige Gelder jetzt online melden. Woran erkennt aber schädliches Finanzgewürm? Auch das erfährt man aus der FASZ: An seiner „ungeheuren Gefräßigkeit.“


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