Ein Selbstversuch in drei Schritten

1. Ich schreibe ein Buch

Wer schreibt, der bleibt. Wenigstens in Erinnerung. Ein kurzer Besuch in einem Buchladen lässt mich ahnen, dass ich vielleicht nicht der Erste bin, der auf die Idee gekommen ist.

Aber das schreckt mich nicht ab. Ich werde ja nicht irgendein Buch schreiben. Nein, mein Buch wird auf jeden Fall ein Bestseller. Ich habe lange überlegt, wie ich es auf Anhieb an die Spitze der Bestsellerlisten schaffe. Jetzt weiß ich es:

Ich schreibe den ultimativen Ratnehmer. Ratgeber gibt es jedes Jahr zu Hunderten und trotzdem gehen sie weg wie warme Semmeln. Dabei gebe ich persönlich viel lieber anderen Ratschläge, statt selbst welche anzunehmen. Besser als ein Buch, das Rat gibt, läuft also nur eins, das Rat nimmt.

Die Idee hat auch den Vorteil, dass ich dafür überhaupt nichts wissen muss, was mir persönlich sehr entgegen kommt. Ich muss nicht einmal etwas schreiben. Mein Buch ist fertig. 200 glänzend weiße Seiten, bereit, jeden noch so dämlichen Rat irgendeines Besserwissers aufzunehmen. Familie und Freunde werden so von klugen Ratschlägen verschont und die Käufer haben schon bald das erste von ihnen selbst voll geschriebene Buch im Regal.

Ich schicke mein Manuskript an sämtliche Verlage. Aber keiner will es haben. Mein revolutionäres Konzept ist der Buch-Mafia einfach zu heiß. Ich muss wohl anders unsterblich werden.

2. Ich werde reich

Reiche Leute leben länger und bleiben in Erinnerung. Rockefeller, Bill Gates, Onkel Dagobert, das sind Namen, die weiter leben werden. Aber wie wird man reich?

Arbeit scheidet als Methode aus, damit macht man nur andere reich. Dasselbe gilt für Glücksspiele. Also Knarre raus, rein in die Bank und Hände hoch!

Verdammt! Der Automat reagiert nicht. Ich soll meine Karte einführen. Könnte dir so passen, Schurke. Die seh ich dann nie wieder. Darauf fall´ ich nicht mehr rein. Also bleibt nur geordneter Rückzug. Ein Bankfuzzi im Anzug schaut mir kurz hinterher, dann glotzt er wieder auf seinen Bildschirm. Geldprobleme hat der sicher nicht. Aber ewiges Leben? Wohl eher ewiges Vegetieren. Das Leben wird nicht länger, wenn man es nie benutzt. Es bringt keine Zinsen, vermehrt sich nicht und arbeitet nicht für mich. Trotzdem ist es die beste denkbare Geldanlage. Das mit dem reich werden lasse ich in Zukunft. Die Sache kostet mir einfach zu viel.

3. Ich lebe gesund und sterbe einfach nicht

Das Konzept ist so einfach, dass ich mich wundere, dass noch keiner vor mir darauf gekommen ist. Ach ja, einer hat es schon mal versucht:

Mein Onkel Gregor war Arzt und ein Muster an gesunder Lebensführung. Er rauchte nicht, trank nicht, stand früh auf und widmete sein Leben dem Kampf gegen den Krebs. Ein wahres Vorbild. Er starb mit 49 an Lungenentzündung.

Also ab heute nur noch Bio-Kost, kein Alkohol, dafür viel Fleisch wegen der Antibiotika. Da hat der Bazillus keine Chance. Vielleicht sollte ich mich einfrieren und in 100 Jahren wieder auftauen lassen, wie Stallone in diesem Film, wo er einen Cop spielt, der erst 100 Jahre auf Eis liegt und dann alle 5 Minuten fast erschossen wird. Klingt auch nicht berauschend. Einfrieren ist auch keine Lösung, gerade für mich, wo ich mich so schnell erkälte.

Das gesunde Leben ist aber auch kein Ponyhof. Stickoxide in der Luft, Mikroplastik im Wasser, Bananensaft im Bier – man kann sich auf nichts mehr verlassen heutzutage!

Ob ich so ewig weiterleben will, na ich weiß nicht! Ich brauche jetzt etwas wahres, reines, einen Kraftort, an dem ich mich vom ewigen Leben erholen kann. Und dieser Ort, so verrät mir das Internet, heißt Bremen!

„Aufschlussreich ist die Hexagrammqualität des Ortes, wo die Weser auf die ehemaligen Wallanlagen trifft. Hier tritt das lebenspendende Wasser von Ost-Südost ein. Doch der Durst der Menschen ist unstillbar. So führt die Ernährung zum Verlangen nach der inneren Wahrheit, die sich dem gierig Suchenden meist erst dann offenbart, wenn er bereit ist, akzeptierend und nicht resignierend loszulassen. Diese Stelle hat einen Bezug zur aktuellen Zeitqualität. Es handelt sich um eine kosmische Partnerschaft von Zeit und Raum. Seit Menschengedenken haben Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten solche Orte aufgesucht.“

Das mag wohl sein. Was mich stört ist nur, dass ein paar Meter weiter das Bremer Weserstadion steht, und mit außergewöhnlichen Fähigkeiten haben die dort spielenden Profis in letzter Zeit nicht gerade geglänzt. Aber ihren Platz in der ersten Bundesliga einfach loszulassen, dazu waren sie dann auch wieder nicht bereit.

Mein Verlangen nach etwas wahrem, klarem und reinem dagegen wird dann doch gestillt. Direkt am Weserufer finde ich Lokale, die mich durstigen Pilger aufnehmen und mit klarem Korn und reinem Bremer Bier erquicken. Jetzt kann ich loslassen. Und zwar die Schnapsidee mit der Unsterblichkeit. Lieber ein Mal leben als gar nicht.
Prost!


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