Bild: Foto Rabe, Pixabay

Wir erleben den Untergang des amerikanischen Imperiums – oder doch nicht?

Große Ereignisse werfen ihre Schatten über die Fernsehanstalten. Alles schaut gebannt in eine Richtung: nach Westen! Zu unserer stolzen Schutzmacht USA! Denn dort passiert ungeheuerliches:

Ein Präsident wird gewählt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Das passierte vielleicht auch früher schon mal, aber dieses Mal, so die allgemeine Stimmung, ist alles anders.

Zwei Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Zwei Kandidaten. Und einer davon ist der Antichrist, das Böse in Person, die Bestie in Menschengestalt, die das Land gnadenlos in den Abgrund führen will.

So weit sind sich beide Lager einig. Nur wer das Monster und wer der strahlende Retter ist – darüber können sie sich einfach nicht einigen.

Der teuflische Trump

Von Deutschland aus scheint die Wahl leicht: Donald Trump lässt keine Gelegenheit aus, sich unmöglich zu machen und findet sogar noch Gelegenheiten, wo keine sind. Ob als Klimaleugner, Rassistenfreund, Corona-Ignorant oder einfach als selbstverliebter Oberproll mit Hamstertoupet – der als Präsident?

Und doch stehen wir heute da und stellen staunend fest: Wir leben ja noch! Nach vier Jahren Trump! Er hat nicht auf den roten Knopf gedrückt, keinen Krieg angefangen und nicht einmal beim Bankett vor der Kanzlerin die Hose runtergelassen. Der Kongress, das Oberste Gericht, die freien Medien – alles noch da! Und nicht nur das! Nein, wir erfuhren soeben aus glaubwürdiger Quelle: Sogar das Weiße Haus steht noch!!!

Ist Trump also vielleicht doch eher ein kleiner Popanz als ein großer Teufel? Oder haben seine Anhänger recht und nicht er ist der Böse, sondern Biden?

Der böse Biden

Denn davor kann Trump nicht genug warnen: Biden will das ganze Land ruinieren, er will den totalen Lockdown, Hunderttausende werden sterben (wahrscheinlich vor Schreck, wenn sie hören, was Biden Schlimmes vor hat), ein linker anarchistischer Mob wird toben und zusammen mit der Antifa die Städte in Schutt und Asche legen.

Niemand wird mehr irgend etwas besitzen dürfen, die Sozialisten werden herrschen und das Land entweder selbst ruinieren oder an die Chinesen verraten, damit die ihre neuesten Viren dort ausprobieren dürfen. Währenddessen wird Hillary Clinton in einem unterirdischen Labor mit Bill Gates schlafen und Kinder zeugen, deren Blut die beiden dann trinken und so zu unsterblichen Superschurken werden, die Batman das Auto klauen, Joker zum Weinen bringen und….

Bin ich zu weit gegangen? Ich denke nicht.

Seltsamerweise war der selbe Joe Biden schon ein Mal an der Macht. Acht Jahre lang war er Vizepräsident, ohne irgend etwas von all dem auch nur zu versuchen.

Vier Jahre Trump haben die USA genau so wenig ins Chaos gestürzt wie acht Jahre Biden. Beide sind weder Superschurken noch strahlende Retter, nur zwei alte Männer, die die Macht nicht loslassen können oder wollen. Also was soll der Lärm?

Dass Trump seine Fans aufpeitscht, ist kein Wunder. Er hat die letzten vier Jahre nicht viel anderes getan. Aber warum machen alle anderen dabei mit?

Vielleicht, weil man in einem Raum voll Geschrei schreien muss, um gehört zu werden. Vielleicht aber auch, weil sie dem Volk einfach nichts anderes mehr zu bieten haben. Wenn ein Angebot nicht von selbst überzeugt, muss man so tun, als ob es alternativlos (sic!) wäre oder als ob die einzige Alternative eine Katastrophe wäre.

Weder Trumps Ego-Show noch Bidens weiter-so-wie-früher können überzeugen. Und das ist vielleicht noch schlimmer als die Vorstellung, wir müssten Trump noch vier Jahre ertragen.


1 Kommentar

Onkel Joe und die Menschenrechte : Die Blog-Partei · 17. April 2021 um 17:18

[…] und wir dachten „Hurra, mit dem neuen wird alles besser.“Und dann kommt dieser alte weiße Mann Joe Biden und will mit uns über Werte reden. Demokratie, Menschenrechte, das volle Programm.Also nicht dass […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert