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„Was Weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ – Dieses Buch ist ein großer Renner in Deutschland. Was ich nicht verstehe: An wen wendet sich dieser Ratgeber?

An Weiße nicht, die wollen es ja nicht hören. An Schwarze auch nicht, die sind ja nicht angesprochen.

Angesprochen fühlte sich dagegen Dieter Nuhr. Er fand den Titel rassistisch. Daraufhin hat die Autorin ihn erklärt: „Alle Menschen sind von Rassismus betroffen. Weiße sind durch Rassismus privilegiert. Das ist, was sie nicht hören wollen, aber wissen sollten.“ Und das ist also, womit sie ganze 245 Seiten füllt. Sie, liebe Leser, haben soeben 12,99€ gespart. Bitte. Keine Ursache.

Außerdem erklärt die Autorin, dass der Titel gar nicht rassistisch sein kann, denn er kritisiert Weiße, und Rassisten sind immer weiß. Wer oder was „weiß“ ist, entscheidet jeder selbst oder besser: Es hängt vom Einzelfall ab. Aber „Dieter Nuhr ist in jedem Kontext weiß“.

Wenn also Dieter Nuhr, wie er berichtet, in Afrika von Schwarzen wegen seiner Hautfarbe bedroht wurde, dann waren diese Schwarzen in dem Moment eben die Weißen. Also weiße Schwarze. Oder eher schwarze Weiße. Und Nuhr war schwarz. Kann aber nicht sein, er ist ja „in jedem Kontext weiß“. Also haben schwarze Weiße einen weißen Weißen rassistisch bedroht, weil der weiße Weiße den schwarzen Weißen zu weiß war.

Das zumindest will uns die Autorin weiß machen. Das ist auch ihr gutes Recht. Weiß machen ist erlaubt, schwarz machen nicht! Das heißt dann blackfacing und ist – sie ahnen es – Rassismus.

Irgendwie ist mir die ganze Debatte zu schwarz-weiß. Es gibt doch dazwischen so viele Grautöne, so viele Schattierungen. Mindestens fünfzig.

black and white oder shades of grey?

50 Shades of Grey: Die Unschuld vom Lande kommt in die große Stadt und findet ihre Erfüllung, indem sie von einem sadistischen Chef windelweich geprügelt wird.

Wer ist denn da jetzt schwarz? Ja was weiß ich!
Aber ich weiß, wer diesen Mist liest: Frauen! Auch junge Frauen. Das Ergebnis sieht man dann in den RTL-Kuppelshows. Da kann der netteste Kerl dabei sein, freundlich, charmant, (gut, die meisten sind Ars….cher, aber rein theoretisch:), was sagen die Mädels? „Nein, der ist mir zu brav. Ich will einen bad boy.“ Einen „bad boy“! Also einen schlechten Jungen. Und ein guter Mann? Für den seh´ ich schwarz!

Mit Frauen kann man es also machen. Natürlich nur, wenn die Frauen wollen, dass man es mit ihnen macht. Aber hier wird’s kompliziert: „Shades of grey“ – Leserinnen wollen angeblich auch, dass man es mit ihnen macht, wenn sie gerade nicht wollen, dass man es mit ihnen macht.

Nicht nur das: Frauen kann man sogar imitieren! Sogar als Mann! Ein Weißer, der einen Schwarzen imitiert, ist ein Rassist. Ein Mann, der eine Frau imitiert, ist ein Travestie-Künstler. Dabei wurden nicht nur Dunkelhäutige, sondern u. a. auch Frauen jahrhundertelang von weißen Männern unterdrückt. Der Mann, der sie imitiert, darf sogar weiß sein. Es sei denn, die Frau ist auch noch schwarz.

Da kann man schon durcheinander kommen. Das passiert sogar John Cleese. Dem wurde vorgeworfen, Vorbehalte gegen Transgender-Menschen zu haben. Seine Antwort: “Tief in mir drin möchte ich eine kambodschanische Polizistin sein. Ist das in Ordnung oder bin ich unrealistisch?“

Ja, John, da bist du wohl leider unrealistisch. Aber das ist völlig in Ordnung!


1 Kommentar

alleallealle : Die Blog-Partei · 17. April 2021 um 17:24

[…] Dieser Preis ist nicht zu toppen dieser Baum dafür zu fällen Alle reden über´s Klima und sind multikulturell Amis wollen keine „Dreamer“ SUVs fahren superschnell Refrain: So machen´s alle, alle, alle, […]

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